Was ist der EcoBus?

Der EcoBus ist ein System bedarfsgesteuerter Kleinbusse. Sie buchen Ihre Fahrtwünsche vor Fahrtbeginn über App, Internet oder Telefon. EcoBus kombiniert verschiedene Routen mit ähnlichem Start und Ziel. Gleichzeitig kann das Prinzip geteilter Fahrten die Kosten und den CO2-Ausstoß reduzieren.

EcoBus ist ein Pilotprojekt des Max-Planck-Instituts für Dynamik und Selbstorganisation in Göttingen in Kooperation mit dem Regionalverband Großraum Braunschweig und dem Zweckverband Verkehrsverbund Süd-Niedersachsen (ZVSN). Mit dem EcoBus- Projekt erforschen wir eine neue, attraktive, computergestützte Form der Mobilität im ländlichen Raum.

Imagefilm „EcoBus – der Pilot-Start

Wie funktioniert der EcoBus?

EcoBus bietet durch eine intelligente Verknüpfung von Fahrtwünschen günstige und flexible Fahrten an. Dabei bedient EcoBus alle Verbindungen im Einsatzgebiet zu jedem gewünschten Zeitpunkt während der Betriebszeiten.

Bei der ersten Fahrt melden Sie sich einmalig mit E-Mail-Adresse und Telefonnummer an. Danach geben Sie vor jeder Fahrt nur noch den gewünschten Abhol- und Zielort an – der EcoBus bringt Sie schnell und bequem dorthin.

Wofür kann ich den EcoBus nutzen?

Den EcoBus können Sie für viele Zwecke Ihrer ganz alltäglichen Mobilität oder auch für touristische Fahrten nutzen, zum Beispiel:

  • Einkaufs- und Besorgungsfahrten
  • Fahrten zu Ärzten oder medizinischen Behandlungen
  • Fahrten zur Arbeit und zurück
  • Freizeitfahrten zu Sport und Hobby, bei Wanderungen und für private Besuche
  • als Zu- und Abbringer für Wanderungen im Harz
  • Ausflüge, etwa zur Stabkirche nach Hahnenklee, zum Erzbergwerk Rammelsberg, zur kaiserpfalz nach Goslar, zum Okerstausee, zum Skifahren am Torfhaus, zum Sommer- und Windterrodeln in Sankt Andreasberg oder in die Altstadt von Osterode.
  • als Anschlussfahrten zu und von den Zügen in Goslar, Oker, Langelsheim oder Osterode sowie zu Regional- und Stadtbussen
  • abends zum Ausgehen und Feiern

Wie entwickelt sich das Projekt EcoBus?

Erster EcoBus-Pilotversuch von Juni bis August 2018 im Raum Bad Gandersheim:

Vom 10. Juni 2018 bis 5. August 2018 fand der allererste Pilotversuch des EcoBus in Bad Gandersheim und Kalefeld im Landkreis Northeim parallel zu den Gandersheimer Domfestspielen statt. Hier konnte das System auf einem überschaubaren Gebiet während der Sommerzeit erstmalig getestet werden und Erkenntnisse für den Regelbetrieb gewonnen werden.

Zweiter EcoBus-Pilotversuch von August 2018 bis Februar 2019 im Oberharz:

Vom 11. August 2018 bis zum 28. Februar 2019 wurde der EcoBus nun in einem deutlich größeren Gebiet im Oberharz in den Landkreisen Goslar und Göttingen getestet. Sowohl von der Einwohnerzahl, der Fläche, der Topografie und damit auch der Mobilfunkabdeckung und vom Klima bzw. der Jahreszeit her gab es hier ganz neue Herausforderungen, denen sich die Wissenschaftler vom Max-Planck-Insititut und die Praktiker aus den Verkehrsunternehmen und Zweckverbänden gestellt haben, um ein zukünftig umfassend einsatzbereites Ridepooling-System zu entwickeln.

EcoBus-Bediengebiet Oberharz

Ab März 2019 Evaluation der beiden Pilotversuche und Forschung an intermodaler Verknüpfung:

Ab März 2019 werden die Ergebnisse der beiden Pilotversuche ausgewertet.

Gleichzeitig forscht das Max-Planck-Institut für Dynamik und Selbstorganisation seit Januar 2019 in Kooperation mit den Leipziger Verkehrsbetrieben (LVB) an einem intermodalen Routing, das den EcoBus mit Linienverkehren verknüpft. So soll es dann möglich werden, dass der Kunde einen Fahrtwunsch adressgenau angibt und automatisch die sinnvollste Kombination aus einer Teilstrecke mit dynamischem Ridepooling per EcoBus und einer Teilstrecke mit Bus & Bahn angezeigt bekommt. Idealerweise sind die Anschlüsse dann genau aufeinander abgestimmt.

Ab Herbst 2019 soll dann am Stadtrand von Leipzig ein erster Feldversuch starten, bei dem der EcoBus als Zubringer zur S-Bahn bzw. Straßenbahn fungiert.

Sobald diese neue Technik einsatzbereit ist, ergeben sich auch wieder neue Einsatzmöglichkeiten für den EcoBus in anderen Gebieten, so dass nicht auszuschließen ist, dass der EcoBus dann auch wieder in den Raum Bad Gandersheim oder in den Oberhaurz zurückkommt. Lassen Sie sich überraschen!

EcoBus-Projektpartner

Der Zweckverband Verkehrsverbund Süd-Niedersachsen (ZVSN) plant und koordiniert den öffentlichen Personennahverkehr (ÖPNV) in den Landkreisen Northeim und Göttingen.

Seine Aufgaben und Ziele ergeben sich im Wesentlichen aus dem Niedersächsischen Nahverkehrsgesetz. Nach diesem Gesetz ist der ZVSN „Aufgabenträger“ und „zuständige Behörde“ für den ÖPNV.

Der ZVSN beauftragt den Einsatz des EcoBus im Bereich Bad Gandersheim/Kalefeld (Landkreis Northeim) und Osterode am Harz (Landkreis Göttingen).

In seinem Verbandsgebiet erfüllt der Regionalverband zwei Aufgabenbereiche:

  1. Nach dem niedersächsischen Gesetz über Raumordnung und Landesplanung ist er der Träger der Regionalplanung und Untere Landesplanungsbehörde.
  2. Nach dem niedersächsischen Nahverkehrsgesetz ist er Aufgabenträger für den öffentlichen Personennahverkehr auf Schiene (SPNV) und Straße (ÖPNV).

Eine der wesentlichen Aufgaben des Aufgabenträgers ist die Erstellung und die Umsetzung eines Nahverkehrsplans (NVP), der fünf Jahre Gültigkeit hat. Der NVP bildet den Rahmen für die Entwicklung des öffentlichen Nahverkehrs in der Region und definiert das ausreichende Bedienungsangebot.

Durch die Bahnstrukturreform mit der Privatisierung der Deutschen Bahn und die damit verbundene Verlagerung der Rechtsvorschriften von europäischer auf nationale Ebene wurde der Öffentliche Personennahverkehr 1996 neu geordnet. Die Verantwortung für den öffentlichen Personennahverkehr liegt seitdem bei den Bundesländern. Das Land Niedersachsen hat diese Zuständigkeit zum Teil kommunalen Aufgabenträgern übertragen; im Bereich des Großraums Braunschweig dem Regionalverband.

Der Regionalverband Großraum Braunschweig beauftragt den Verkehr des EcoBus im Oberharz auf dem Gebiet des Landkreises Goslar.

Die Regionalbus Braunschweig GmbH (kurz RBB) betreibt Linienverkehr im nordöstlichen, südöstlichen und südlichen Niedersachsen. Sie ging aus den damaligen Bahnbus- und Postbusdiensten in den genannten Gebieten Niedersachsens hervor und ist heute ein Tochterunternehmen der DB Regio AG.

Das Verkehrsgebiet der RBB erstreckt sich von Lüneburg im Norden bis Hann. Münden im Süden und von Höxter im Westen bis Wolfenbüttel bzw. den Landkreis Lüchow-Dannenberg im Osten.

RBB ist das für die Durchführung des EcoBus-Betriebs von den beiden Aufgabenträgern beauftragte Verkehrsunternehmen.

Das von der Landesregierung gemeinsam mit der Region beschlossene Südniedersachsenprogramm hat das Ziel, die Wirtschaftsstruktur zu stärken, zukunftsfähige Dörfer zu erhalten und die kulturelle und landschaftliche Attraktivität der Region als Wohnort, Wirtschaftsstandort und Tourismusziel zu steigern. Durch landkreisübergreifende Projekte sollen Synergien genutzt und regionale Entwicklungsimpulse ausgelöst werden, die zur weiteren Entwicklung der Region beitragen. Durch die enge Zusammenarbeit der regionalen Akteure wird die Kooperation zwischen Land und Region sowie zwischen den Gebietskörperschaften weiter intensiviert.

Mit dem Südniedersachsenprogramm sollen Projekte umgesetzt werden, die inklusive Kofinanzierung zu mindestens 100 Mio. Euro zusätzlichen Investitionen in der Region führen. Hierfür stehen dem Südniedersachsenprogramm Fördermittel der Europäischen Struktur- und Investitionsfonds sowie Förderprogramme des Landes und des Bundes zur Verfügung.

Die Umsetzung des Südniedersachsenprogramms erfolgt durch das Projektbüro Südniedersachsen. Es wird vom Land und den fünf südniedersächsischen Landkreisen sowie der Stadt Göttingen getragen und hat die Aufgabe, die Projekte des Südniedersachsenprogramms zu initiieren, zu entwickeln und zu begleiten.

Das Projekt "EcoBus - das kooperative Verkehrssystem" wird vom Südniedersachsenprogramm und dem Europäischen Fonds für Regionale Entwicklung (EFRE) finanziell gefördert.

Das Max-Planck-Institut für Dynamik und Selbstorganisation beschäftigt sich mit der gesamten Vielfalt dynamischer Phänomene, Strukturbildung und Selbstorganisation: von den Wirbeln in turbulenten Strömungen über Netzwerke von Nervenzellen im Gehirn bis hin zu granularer Materie und komplexen Flüssigkeiten. Obwohl sich diese Systeme unterschiedlichen Fachrichtungen zuordnen lassen, folgen sie ähnlichen Gesetzmäßigkeiten und lassen sich mit ähnlichen Methoden beschreiben und erforschen.

Die Abteilung Dynamik komplexer Fluide wird geleitet von Prof. Dr. Stephan Herminghaus. Zu der großen Stoffklasse der sogenannten komplexen Fluide gehört biologische Materie wie Zellmembranen oder Zytoplasma ebenso wie Emulsionen, Kolloide und granulare Materialien. Letztlich geht es hier immer um die Frage, welche qualitativ neuen Phänomene entstehen, wenn viele gleichartige Elemente bzw. Subsysteme in innige Wechselwirkung miteinander treten. Die daraus resultierenden Eigenschaften sind enorm vielfältig und führen neben Entwicklungen mit hohem Anwendungspotential auch direkt zu Grundfragen der Strukturentstehung: Wie kommt die Natur vom Sein zum Werden?

Auch Verkehrsströme lassen sich in diesem Sinne als komplexe Fluide verstehen, die im Projekt EcoBus zur Entwicklung eines dynamischen Mobilitätssystems herangezogen werden.